Alles Wissenswerte über Schleichwerbung

Es ist gängige Praxis auf YouTube, sich mit Werbung und Produktplatzierung den einen oder anderen Euro zusätzlich zu verdienen. Allerdings ist die korrekte Kennzeichnung sehr wichtig, um sich nicht der Schleichwerbung schuldig zu machen. Wir haben uns mit diesem Thema einmal eingehender beschäftigt.

Werbung auf YouTube ist für manch einen Zuschauer sicherlich lästig. Zwar kann man eingeblendete Ads teilweise schnell wegklicken oder dank Adblocker komplett verschwinden lassen, aber immer mehr Videoersteller bringen die Werbung direkt im Video unter, indem sie beispielsweise ein Produkt erwähnen und dessen Vorzüge preisen. Grundsätzlich ist solch ein Verhalten nicht verwerflich, besonders dann, wenn der entsprechende YouTuber tatsächlich von dem Produkt überzeugt ist und es seinen Zuschauern auch dann empfehlen würde, wenn kein Geld im Spiel wäre. Kritisch wird es jedoch bei Schleichwerbung, also nicht gekennzeichneter Werbung oder Produktplatzierung.

Der Paragraph 5a, Absatz 6 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb gibt vor, dass jede Werbemaßnahme so beschaffen sein muss, dass ihr werbender Charakter von den Angesprochenen erkannt wird. Wer also beispielsweise die Vorzüge eines Produktes erwähnt und sich dafür bezahlen lässt, der muss sicherstellen, dass der Zuschauer sich darüber im Klaren ist, dass es sich um Werbung handelt. Tut er dies nicht, macht er sich strafbar.

"Unlauter handelt auch, wer den kommerziellen Zweck einer geschäftlichen Handlung nicht kenntlich macht, sofern sich dieser nicht unmittelbar aus den Umständen ergibt, und das Nichtkenntlichmachen geeignet ist, den Verbraucher zu einer geschäftlichen Entscheidung zu veranlassen, die er andernfalls nicht getroffen hätte." § 5a, Abs. 6 UWG

Dies gilt allerdings nicht nur für die Produkte anderer Hersteller. Auch das Bewerben eigener Erzeugnisse muss so vollzogen werden, dass dem Zuschauer klar ist, dass es sich um Werbung handelt. Die Aussage "Ich habe dieses Buch geschrieben. Wenn euch das Thema interessiert, könnt ihr es bei XY bestellen." wäre beispielsweise völlig legitim. Der Zuschauer erfährt, dass der Videoersteller einen persönlichen Nutzen vom Verkauf des Produktes hat (die geschäftliche Handlung) und der Werbezweck ist somit ersichtlich. Wenn der YouTuber hingegen sein eigenes Buch lediglich als "ein interessantes Buch zu diesem Thema" vorstellt, betreibt er Schleichwerbung, da für den Zuschauer nicht erkennbar ist, dass der Kauf (also die geschäftliche Entscheidung) dem YouTuber einen finanziellen Vorteil verschafft.

Auch das Platzieren von Produkten (selbst ohne explizite Erwähnung) kann laut dem Rundfunkstaatsvertrags Werbung sein, wenn die Produktplatzierung dramaturgisch nicht notwendig ist. Im Klartext heißt dies, dass beispielsweise eine Dokumentation über einen bestimmten Hersteller oder Dienstleister keinen werbenden Charakter hat und somit nicht als Werbung gekennzeichnet werden muss, solange die redaktionelle Verantwortung und Unabhängigkeit des Inhaltes nicht beeinträchtigt wird.

"Abweichend von § 7 Abs. 7 Satz 1 ist Produktplatzierung im Rundfunk zulässig
1. in Kinofilmen, Filmen und Serien, Sportsendungen und Sendungen der leichten Unterhaltung, sofern es sich nicht um Sendungen für Kinder handelt, oder
2. wenn kein Entgelt geleistet wird, sondern lediglich bestimmte Waren oder Dienstleistungen, wie Produktionshilfen und Preise, im Hinblick auf ihre Einbeziehung in eine Sendung kostenlos bereitgestellt werden, sofern es sich nicht um Nachrichten, Sendungen zum politischen Zeitgeschehen, Ratgeber und Verbrauchersendungen, Sendungen für Kinder oder Übertragungen von Gottesdiensten handelt.
Keine Sendungen der leichten Unterhaltung sind insbesondere Sendungen, die neben unterhaltenden Elementen im Wesentlichen informierenden Charakter haben, Verbrauchersendungen und Ratgebersendungen mit Unterhaltungselementen sowie Sendungen in Regionalfensterprogrammen und Fensterprogrammen nach § 31." § 44 RStV

Das bewusste Platzieren von Produkten, um den Zuschauer zum Kauf zu animieren, gilt hingegen als Werbung und muss, wenn der YouTuber dafür bezahlt wird, entsprechend gekennzeichnet sein. Sollte keine Bezahlung erfolgen, spricht man von einer (erlaubten) Produktbeistellung. Hierbei ist es sogar zulässig, Geschenke eines Herstellers anzunehmen und zu nutzen, solange keine sonstige Vergütung erfolgt.

Wenn du dich weiterhin für dieses Thema interessierst und beispielsweise eingehender über die Rechtslage beim Sponsoring (§ 8 RStV) informieren möchtest, findest du am Ende des Artikels in den Quellen nochmal die entsprechenden Links. Da dies aber mit der Schleichwerbung nur am Rande etwas zu tun hat, überlassen wir es dir, dich mit dem Thema zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Bitte beachte auch, dass dieser Artikel keine fachmännische juristische Beratung ersetzt. Wenn du dir bei diesem Thema unsicher bist, solltest du also im Zweifelsfall das Gespräch mit einem anerkannten Rechtsvertreter suchen.

Was hältst du allgemein von Werbung und Produktplatzierung? Ist es in Ordnung oder empfindest du sowas eher als störend? Schreib es uns in die Kommentare!

Quellen: Gesetz gegen den unlauteren Werttbewerb (UWG); Rundfunkstaatsvertrag (RStV)

31. Mär 2017, 16:24
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Ricardo Beigang
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Comments
  
VeniVidiRici
1393 Tage
Vielen Dank :)
Kekspruefer
1394 Tage
Sehr guter Artikel, endlich mal etwas Objektives zum Thema.