Speichermedien sind nicht unsterblich - Tipps für den Notfall

Der Supergau für jeden PC Nutzer ist wohl das versehentliche Löschen von Daten oder noch schlimmer ein Festplattendefekt. Tipps für die erste Hilfe findest du hier.

Wie du eine versehentlich gelöschte Datei aus dem Papierkorb wieder zurückholst, weißt du sicherlich schon lange. Aber was tun, wenn die Festplatte defekt ist? Die Schwierigkeit bei solchen Rettungsversuchen liegt dabei, das neben der Rettung der Daten auch das Risiko des Totalverlustes besteht. Eine Garantie, dass die Wiederherstellung klappt, gibt es leider nicht. Grundsätzlich sollte man vor jedem Rettungsversuch eine Kopie des betroffenen Datenträgers anfertigen. Die Kollegen von PCWelt empfehlen dafür das Programm HDD Raw Copy Tool. Diese Software erstellt eine genaue Kopie des Laufwerks, überspringt jedoch dabei defekte Bereiche.

Sind die Daten einfach verschwunden und noch nicht überschrieben, lohnt es vielleicht, einmal den Abelssoft Undeleter darüber laufen zu lassen. Mit etwas Glück werden die Daten wieder sichtbar. Damit du auf der sicheren Seite bist, solltest du das Speichermedium für den Rettungsversuch an einen zweiten PC anschließen. Damit wird die Gefahr, die Daten zu überschreiben, eingedämmt.

Ist ein komplettes Laufwerk verschwunden? Dann kannst du es vielleicht mit einem Partitionsmanager wie dem MiniTool Partition Wizard oder Partition find and mount wieder sichtbar machen. Aber auch Microsoft liefert einen Partitionsmanager in Verbindung mit deiner Windowsinstallation. Das Programm heißt diskpart, eine Übersicht über die Befehlszeilen listet Microsoft auf der dazugehörigen Webseite auf.

Schreib/Lesekopf HDD Schreib/Lesekopf HDD

Ganz schwierig wird es, wenn eine Magnetfestplatte durch einen mechanischen Defekt den Dienst aufgibt. Im Normalbetrieb arbeitet eine Festplatte schon hörbar, aber das Geräusch ändert sich sobald die Mechanik versagt. Wenn du ein deutlich hörbares Klackern oder Schleifen wahrnimmst, bedeutet das, dass der Schreib/Lesekopf der Festplatte aufsetzt. Dann solltest du den Computer sofort ausschalten und einen Experten kontaktieren. Es gibt zahlreiche Firmen, die sich auf die Rettung von Daten und Speichermedien spezialisiert haben, auch bekannte Elektronikdiscounter bieten solche Services an. Bei einigen ist eine erste Diagnose kostenlos. Die Preise sind recht unterschiedlich und hängen vom Ausmaß des Schadens ab, daher solltest du vor der Auftragsvergabe vergleichen.

Wenn Daten versehentlich von einer SSD gelöscht wurden, sollte zuerst der Trim Befehl ausgeschaltet werden. Der Trim Befehl merkt Daten zum endgültigen Löschen vor und erlaubt damit das Überschreiben. Ausschalten kann man diese Funktion, indem man in die Windows Befehlszeile den folgenden Code eingibt:

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Ist aber die Hardware einer SSD defekt, hilft am ehesten ein professioneller Datenrettungsdienst. Natürlich kann man auch selbst versuchen, die Daten zu retten. Dann sollte man sich aber auch bewusst sein, dass die Daten endgültig verloren sein können. Für solche Selbstversuche gibt es Tools wie TestDisk & Photorec. Mit TestDisk können die Daten ausgelesen und im Zweifelsfall doch noch an einen professionellen Notfallservice weitergegeben werden. Photorec stellt Mediendateien wieder her.

Aber nicht nur Festplatten im Computer sind von Defekten betroffen, sondern auch Smartphones und Tablets. Handelt es sich um eine gerootetes Handy oder Tablet, sind Apps wie Diskdigger Undelete oder Undeleter for Root Users eine gute Hilfe. In allen anderen Fällen sollte ein Experte der bessere Ratgeber sein.

Um aber gar nicht erst in die Situation eines solchen Notfalls zu kommen, sollte man regelmäßig Backups erstellen. Defekte sind nämlich gar nicht mal so selten. Manche Statistiken sprechen von einer Ausfallrate von bis 10%, andere liegen sogar bei 50%. Die durchschnittliche Lebensdauer kann zwischen 1,5 und 5 Jahren schwanken und hängt dabei auch von der Kapazität ab. Daher ist die regelmäßige Erstellung von Backups von elementarer Bedeutung, je nachdem wie wichtig dir deine Daten sind.

Um das Erstellen zu vereinfachen, gibt es auch dafür eine Vielzahl an Software. Ein Beispiel ist Paragon Backup & Recovery 14 oder Toucan. Mobilgeräte können über einen Cloudservice Backups erstellen. Eine weitere Vorsorgemaßnahme ist das Installieren von speziellen Überwachungsprogrammen. Sie warnen vor Defekten, sobald kritische Werte erreicht werden. Acronis Drive Monitor oder Crystal Disk Info sind gute Beispiele für solche Software. Für SSD's kann SSD Life den Job der Überwachung übernehmen.

War deine Festplatte schon mal defekt oder hast du Daten versehentlich gelöscht? Konntest du das Problem selbst beheben? Schreib es uns in die Kommentare!

Quelle: pcwelt.de

Bildquelle: pixabay.compixabay.com

    17. Mär 2017, 14:10
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    Gabi Heuer
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