Interview mit Marc "Stone" Le Roux von Bonn Air e.V. auf der RPC

Auf der Role Play Convention Ende Mai hatten wir die Möglichkeit zu einem Interview mit Marc „Stone“ Le Roux, Gründer des Airsoft Vereins "Bonn Air e.V." Er erklärte uns unter anderem die Ursprünge seines Namens oder warum Airsoft und LARP (Live Action Role Playing) zusammen noch mehr Spaß machen als getrennt.

Auch wir waren Anfang Juni auf der RPC unterwegs und haben einmal geschaut, wen wir so alles treffen. Natürlich wussten wir bereits aus den vergangenen Jahren, wen man dort auf jeden Fall antrifft und so war ein Besuch bei den Jungs des Airsoft Vereins Bonn Air e.V. natürlich Ehrensache für uns. Dabei haben wir auch gleich mal die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und uns Teamleader Marc "Stone" Le Roux auf die Seite genommen, um ihm einmal ein paar Fragen zu stellen.

Warum wir ein Interview mit einem Airsoft Team veröffentlichen? Dafür gibt es einen einfachen Grund. Viele Gamer identifizieren sich heutzutage mit den Games welche sie spielen und grade im Bereich der der Rollenspiele und MMO's, festigte sich in den letzten Jahren die parallel zu den Games entwickelnde Szene der Live-Action-Rollenspiele (LARP). Zwar gab es Liverollenspiele auch schon lange vor Spielen wie League of Legends und Co, doch so richtig in den Fokus rückte sie erst in den letzten Jahren.

Während Freunden von Charakter basierten Rollenspielen durch ihre zum Teil unglaublich aufwendigen oder auch sehr figurbetonten Kostüme auf sich aufmerksam machen, sieht es bei Fans von Team basierten Shootern schon ein wenig anders aus. Das Genre der Shooter Spiele an sich bekleidet in der Öffentlichkeit keinen guten Ruf und deswegen stößt es in der breiten Öffentlichkeit bisher auf wenig Verständnis, wenn sie diese Spiele dann auch noch in das reale Leben übertragen.

"Die spielen Krieg" oder "die wollen Soldat Spielen" hört man dann von vielen Seiten. Doch auch wenn sich die meisten in Tarnklamotten und martialisch aussehende Outfits schmeißen, steht hier nicht der Krieg oder das Soldat sein im Vordergrund, sondern der Spaß am Spiel, das Team, die Taktik und das Ziel, sich mit anderen zu messen. Also ganz wie im virtuellen Leben, nur eben in echt. Und weil es noch immer so viele Leute gibt, die genau diese Vorurteile haben, hat es sich Bonn Air zur Aufgabe den Sport, welchen sie betreiben - ja genau, es ist tatsächlich Sport - etwas näher zu bringen und Vorurteile abzubauen.

Und genau darum haben wir uns einmal Marc Le Roux, welcher im Übrigen auf den Rufnamen "Stone" hört auf der letzten RPC zur Seite genommen und einmal nachgefragt, was es denn mit seinem Rufnamen, der Verschmelzung von Airsoft und LARP und den zukünftigen Zielen von Bonn Air auf sich hat.

BonnAIr Marc "Stone" Le Roux gibt den Ton an.

Dabei interessierte uns vor allem eines - und zwar die Verschmelzung von Airsoft und Live-Action-Rollenspielen. Doch zu erst einmal wollten wir von Stone wissen, wie er zu seinem Namen kam und warum jeder im Team einen individuellen Nickname (Rufname) besitzt. Wir haben es also geschafft Marc „Stone“ Le Roux von BonnAir zu uns an den Tisch zum Interview zu holen.

Hi Marc, schön das du dir kurz die Zeit nimmst, uns ein paar Fragen zu beantworten. Zum Start erst einmal eine einfache Frage: Woher kommtdein Nickname „Stone“?

Es ist ja grundsätzlich erst mal so, dass wir bei Bonn Air alle eigene Nicknames haben. Denn wenn du im Match kommunizieren willst, tust du das ja meistens über Funk. Funke ich jetzt aber während dem Match „Sascha“ antworten mir sofort vier Saschas. Deshalb benötigt jeder einen einzigartigen, prägnanten und am besten relativ kurzen Namen.Optimal wären ein bis zwei Silben: „Stone“, „Ace“ oder „Roxs“ zum Beispiel. Aber auch Ausnahmen wie „Maverick“ oder „Empire“ sind erlaubt. Wichtig ist eben nur, dass sich die Namen nicht ähneln.

Als ich damals mit Airsoft angefangen habe, überlegte ich natürlich auch: Wie nenne ich mich denn jetzt? Da ich ja ursprünglich aus dem LARP-Bereich komme habe ich mich deshalb erst mal mit einem Charakterbogen hingesetzt und mir eine Figur mit passender Hintergrundgeschichte ausgedacht. Inspirieren lassen habe ich mich damals von einem Actionfilm, dessen Hauptcharakter „Jack Stone“ hieß und wenn ich mich richtig erinnere, von Steven Seagal gespielt wurde. Mir gefiel der Name wegen seines guten Klang: Hart und doch irgendwie gleichzeitig sensibel... muss lachen … - schreibt das besser nicht sonst denken die Leute noch sie könnten mit mir umgehen wie sie wollen - muss wieder lachen. Aber um wieder zur Frage zurückzukommen: Behalten wollte ich den Namen „Stone“ nämlich eigentlich nicht.

Mein Plan war es nach einiger Zeit auf den Namen „Paladin“ umzuschwenken, an dem man ganz gut meine LARP Vorgeschichte erkennen kann. Aber das hat sich so was von nicht durchgesetzt, da mich alle schon als „Stone“ kannten und dementsprechend auch weiterhin anfunkten. Im Endeffekt wurde ich also mehr oder weniger dazu gezwungen „Stone“ zu behalten, was sich rückblickend aber sicherlich als ganz gut erwiesen hat, denn der Name passt ja auch zu mir.

Gibt es, abgesehen von ihrer Komplexität, auch Namen die ihr aus welchen Gründen auch immer ablehnen würdet?

Also rechtsradikale Begriffe würde ich jetzt als Beispiel sofort ausschließen, da wir uns nicht in diese Richtung bewegen wollen. Aber auch Namen wie xXKillerDestroyer685Xx werde ich nicht zulassen können. Es ist uns nämlich wichtig, dass dein Nickname auch deine Persönlichkeit widerspiegelt. Wenn ich jetzt also hingehe und anfange Nicknames wie „Pony“ oder „Unicorn“ zu vergeben, dann macht das im Normalfall einfach keinen Sinn. Zudem ist es uns auch laut Regelwerk verboten Nicknames zu verniedlichen, denn der Funk soll ja schließlich diszipliniert bleiben. Zusätzlich können auch Leute von außerhalb des Vereins schneller an Ansprechpartner verwiesen werden, was besonders bei Messen oder großen Veranstaltungen hilfreich ist. Und unser langfristiges Ziel ist es ja schließlich Airsoft und LARP miteinander zu verbinden.

Ist diese Fusion überhaupt möglich? Wollen sich die Spieler oder die Vereinsmitglieder auf so etwas einlassen?

Ja das geht! Wir wollen LARP in Airsoft integrieren und unseren Sport so erweitern. Einen wichtigen Punkt des Rollenspiels, das Verkleiden, haben wir durch unsere militärischen Uniformen ja schon geleistet. Besonders die sogenannten Mil-Sims (Militärsimulationen) setzen auf Authentizität als zusätzlichen Spielfaktor. Diese, ursprünglich amerikanischen, Mil-Sims kannst du in Deutschland aber nur schwer durchführen. Da wir aber ein deutscher Airsoftverein sind, wollen wir den Airsoftsport und das Airsoft Hobby in Deutschland promoten. Wir sehen die Fusion aus Airsoft und LARP deshalb auch als eine Möglichkeit uns einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Und ich bin mir sicher das diese Kombination sehr gut funktionieren wird. So gut und das versichere ich dir, dass du in drei, vier Jahren auf Airsoft-LARPs Charakterbögen ausfüllst, wenn du das erste Mal dabei bist.

BonnAir Bonn Air vermischt Airsoft mit Live Rollenspiel.

Wie beim herkömmlichen LARP fängst du natürlich auch ganz unten an und musst dich langsam hocharbeiten. Vom Gummimesser zum Automatikgewehr sozusagen. Es wird komplizierter, gleichwohl rücken wir das Schießen etwas in den Hintergrund. Bitte nicht falsch verstehen, es wird immer noch viel geschossen werden. Das ist ja schließlich der Sport, das ist das Hobby, aber die Idee ist es das Schießen als Mittel zum Zweck zu erkennen, das eigentliche Ziel aber sein wird, Missionen zu erfüllen. Mal ein Beispiel: Du hast als Spielareal ein neutrales Dorf und links und rechts deine zwei Fraktionen. Die Dorfbewohner finden den Krieg vor der eigenen Haustür jetzt natürlich alles andere als toll und sind daran interessiert, einer der beiden Seiten durch Unterstützung zum Sieg zu verhelfen.

Um diese Unterstützung zu bekommen, müssen die Spieler aber zuerst die Gunst der Dorfbewohner verdienen oder sie sich erkaufen, durch Geld, Güter oder Drogen. Wir haben erst kürzlich ein Spiel auf unseren Mission Games gemacht, bei dem wir mehrere LARP-Elemente ausgetestet haben. Da hatten wir zehn neutrale Personen in den Rollen der Dorfbewohner und das ganze Spiel drehte sich darum, mit diesen zu kommunizieren. Du musstest aufpassen, was du sagst und wie du mit ihnen umgehst, ihren Charakter verstehen und auf diesen eingehen. Aktuell testen wir also aus: Wie viel LARP können wir in unser Spiel einbauen? Die Spieler zumindest waren am Ende des Tages total begeistert, weshalb unser Endfazit war: Airsoft und LARP funktionieren sehr gut zusammen.

Habt ihr Ziele die ihr als Verein erreichen wollt?

Ein weiteres Ziel, welches wir verfolgen ist, Airsoft in Deutschland in geregelte Bahnen zu bringen. Airsoft ist in unseren Nachbarländern wie Belgien, den Niederlanden oder Österreich schon viel weiter und wird dort nicht durch das allgemeine Schusswaffengesetz, sondern durch eigene, separate Gesetze geregelt. Um die Akzeptanz der deutschen Bevölkerung und der Regierung zu bekommen, sind wir deshalb aktuell damit beschäftigt, Partner zu gewinnen.

Bisher wird Bonn Air als eigenständiges Team wahrgenommen. Besonders in den letzten Wochen habt ihr jedoch vermehrt Events und neue Partnerschaften angekündigt. Was ist das Ziel dieser Zusammenschlüsse?

Wir hatten schon auf unserem letztjährigen RPC Stand die „Airsoft Helden“ mit dabei, welche eigene großen Events organisieren. Nick (Anmerkung der Redaktion: Nick Ikonomidis CEO von „Airsoft Helden) und seine Crew haben schon sehr geile Games aufgebaut. Die ersten Games hießen „Dark Emergency“ und waren trotz ihrer hohen Ticketpreise sehr beliebt. Im letzten Jahr haben wir uns dann auch stärker in der Organisation eingebracht und es lief fantastisch.

Deshalb haben wir es dieses Jahr ähnlich gemacht und es lief noch besser. Aus diesem Grund haben wir gesagt: „Jetzt gehen wir eine strategische Partnerschaft ein und kooperieren mit 'Airsoft Helden'.“ Das sind wir jetzt grade am aufbauen und es macht sehr, sehr viel Spaß! Das Schöne ist, dass die handelnden Personen bei „Airsoft Helden“ ähnlich ticken wie wir. Sie werden auch in diesem Jahr eine sehr coole LARP OP mit dem Namen Tschernobyl veranstalten. Bei ihr können über 400 Spieler auf einem riesigen Gelände schleichen, handeln und LARPen. Mit unseren knapp 60 Leuten von Bonn Air unterstützen wir die Airsoft Helden und profitieren im Gegenzug auch wieder von der großartigen Organisation.

Auch wieder an unserem Stand sind die Jungs von Massive Entertainment. Die verwalten das Gelände in Montabaur, auf dem wir regelmäßig spielen. Danken will ich auch noch dem Markus Blettner. Ihm gehört der geile Truck, den man auf unserem Stand bestaunen kann. Und natürlich noch eine großes Danke an unseren Sponsor Airsoft2Go, von dem wir einen Großteil unserer Ausrüstung beziehen.

Interview: Till Steinmetz und Sascha Höppner

Was hältst du generell von Live-Action-Rollenspielen und wie stehst du zum Thema Airsoft. Verrate es uns in den Kommentaren!

    4. Jul 2016, 18:04
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    Till Steinmetz
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