Minecraft - Interview mit Jens Bergensten

In einem Interview spricht Jens Bergensten, Chefentwickler von Minecraft, über das neue Exploration Update, Fortsetzungen und die allgemeine Zukunft des Spiels.

Passend zur Veröffentlichung des Exploration Updates von Minecraft, genauer gesagt von der Java-Version, stellt sich der Chefentwickler Jens Bergensten den Fragen der Time-Redaktion. Dabei spricht er über das Exploration Update, Unterschiede zwischen den einzelnen Versionen und die Zukunft.

Besonders interessant am Exploration Update dürfte für die meisten Spieler das Waldland-Anwesen sein. Dieses wenig einladende Gebäude wird von den bösen Gegenstücken der Villager, den sogenannten Illager, bewohnt. Das ganze Szenario umgibt ein Hauch des Todes und des Verfalls. Entstanden ist dieses gruselige Gebäude laut Bergensten eher zufällig, als er ein wenig mit dem Konstruktionsblock rumgespielt hatte. Die Ideen, die ihm dabei kamen, führten schlussendlich zu diesem neuen Dungeon-Typ und der neue Mob, die bereits erwähnten Illager, entstand durch den fortgeführten Gedankenprozess. Dabei wollte man erreichen, dass der Spieler nicht wie üblich stehenbleiben und auf die Monster warten konnte, sondern dass er aufmerksam und in Bewegung bleiben musste, Die Verhaltensmuster der verschiedenen Illager-Varianten entsprechend umzusetzen war keine einfache Aufgabe, wie Bergensten zugab, aber mit dem Ergebnis sind alle zufrieden gewesen.

Ein weiteres Problem ergab sich daraus, dass das Waldland-Anwesen trotz seiner enormen Größe nicht allzu einfach zu finden gewesen sei. Dies konnte man beheben, indem man das Gebäude auf der Karte markierte, die man bei den Villagern ertauschen kann. Hiermit hat man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn nun war das Finden des Waldland-Anwesens deutlich einfacher und die Handelsfunktion wurde noch besser in das Spiel integriert.

"Es macht Spaß, neue Dinge zu finden, aber es ist langweilig, danach suchen zu müssen" - Jens Bergensten

Auf die Frage, wie man damit umgeht, dass sich die verschiedenen Versionen von Minecraft zum Teil recht deutlich voneinander unterscheiden, antwortete Bergensten eher ernüchternd damit, dass die Versionen für die älteren Konsolen vermutlich niemals auf den aktuellsten Stand kommen werden. Irgendwann müsse man eine Linie in den Sand setzen und akzeptieren, dass keine weiteren Updates mehr möglich sind.

Bei den aktuellen Konsolen sieht die Situation natürlich deutlich besser aus. Die Xbox One und die Playstation 4 werden noch eine ganze Weile in der Lage sein, leistungstechnisch mit der Java-Variante von Minecraft mitzuhalten. Natürlich wird letztere Version immer vorrangig behandelt werden und einige Prozesse müssen auf den anderen Plattformen mit alternativen Funktionsweisen umgesetzt werden, aber aktuell kann man davon ausgehen, dass alle Inhalte irgendwann plattformübergreifend verfügbar sein werden.

Eine wichtige Frage ist an dieser Stelle auch, ob die Programmiersprache C++, die in der Pocket-Version von Minecraft Verwendung findet, sich langfristig gegenüber Java durchsetzen wird. Bergensten bestätigte die Vorzüge von C++ (leichteres Einbinden neuer Features, zukunftssicherer), wies aber gleichzeitig darauf hin, dass Java speziell in der Modder-Szene eine große Bedeutung hat. Man möchte zumindest in der nahen Zukunft beide Varianten gleichzeitig fördern.

Auf die Frage, ob sich mit zukünftigen Updates auch der Creative Mode grundlegend ändern wird, antwortete Bergensten damit, dass er Minecraft nicht in einen Editor verwandeln möchte. Zwar gäbe es bessere und bequemere Arten, den Modus umzusetzen, aber die aktuelle Variante, in der man immer noch einen Block nach dem anderen platzieren muss, fördert das Zusammenspiel verschiedener Spieler und erlaubt es einem Zuschauer, die Bauschritte besser nachzvollziehen.

Allgemein sei man bei Mojang mit Änderungen eher sparsam. Man möchte dem Spieler nicht das Gefühl geben, dass er plötzlich ein "Minecraft 2" vor sich hätte. Es wäre beispielsweise mit relativ wenig Aufwand verbunden, hunderte neuer Tiere einbauen, so wie es einige Mods sogar schon getan haben, aber für Bergensten und sein Team sei es wichtig, alle Aspekte des Spiels gleich stark zu fördern und Änderungen mit Bedacht einzufügen, so dass sich die Spieler langsam daran gewöhnen können. Würde man die genannten hunderte Tiere einbauen, dann wäre dies ein Statement, dass Minecraft in erster Linie aus Jagen und Kämpfen bestehe und dass das Bauen eine untergeordnete Rolle spiele. Da man Minecraft jedoch als sehr offenes Spiel versteht, wäre ein derartiger Fokus unangebracht.

"Ich glaube, dass wir mit einem "Minecraft 2" unser eigener schlimmster Feind werden würden" - Jens Bergensten

Zum Schluss wurde Bergensten noch über seine eigene Zukunft in Verbindung mit Minecraft gefragt und ob er bereits Pläne hätte, die Fackel irgendwann weiterzureichen, wie es Notch bei ihm selbst einst getan hatte. Noch hat er aber genug Spaß daran, an dem Spiel zu arbeiten. Er fokussiert sich stets auf eine Sache zur gleichen Zeit und dies sei aktuell Minecraft. Er möchte damit nicht prophezeien, dass er sein gesamtes Leben an Minecraft arbeiten wird, aber andererseits macht er deutlich, dass seine Arbeit daran noch nicht beendet sei.

Möchtest du weitere Antworten auf einige Fragen zu Minecraft haben? Dann findest du das komplette Interview hier.

Welche Aussage aus dem Interview findest du am interessantesten? Was würdest du persönlich anders machen, um Minecraft noch weiter zu verbessern? Schreib es uns in die Kommentare!

Quelle: time.com

16. Nov 2016, 17:48
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Ricardo Beigang
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