Sexismus im eSport - Ein BBC Bericht über den aktuellen Stand

Der BBC berichtet über den Sexismus im eSport. Dabei äußern sich die professionellen Spielerinnen "missharvey" und "juliano" im Interview zu ihren bisherigen Erfahrungen in der Pro-Szene.

Im eSport gibt es aktuell eine Kluft zwischen weiblichen und männlichen Spielern. Der BBC berichtet nun über den Sexismus, der an dieser Kluft Schuld sein soll. Als Unterstützung holte sich der BBC zwei proffesionelle, weibliche Gamer ins Boot. Die beiden CS:GO Profis "missharvey" und "juliano" erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen, als Frauen in der Pro-Szene.

Aber wie genau sieht denn diese Kluft eigentlich aus? Nun, es gibt mehrere Faktoren, die man beachten muss. Der offensichtlichste Faktor ist die Quote an weiblichen Teilnehmern in großen Turnieren. Diese beläuft sich auf gerade zu kümmerliche 5%. In Bezug auf die aktuelle Größe des eSports kommen dabei zwar dennoch einige Frauen zusammen, es bleibt aber eine enorme Minderheit. Nun könnte man behaupten, die Frauen dürfen nicht mitspielen, das wäre aber gelogen. Es gibt keine Regel, die einer Frau die Teilnahme an einem eSport Turnier verbietet. Es muss also andere Gründe geben.

Einer dieser Gründe dürften Frauen-Turniere sein, bei welchen, wie der Name es vermuten lässt, nur weibliche Spieler teilnehmen dürfen. Diese gibt es mittlerweile auch im größeren Stil. Um allerdings die Größe der Cross-Gender Turniere zu erreichen, fehlt noch einiges. Unter Cross-Gender Turnieren versteht man im Übrigen alle anderen Turniere, an denen Frauen und Männer teilnehmen dürfen.

Ein weiterer Faktor sind die Gehälter, die Frauen im eSport erhalten. Hier liegen wirklich Welten zwischen den Summen. Während die Herren mit knapp 2,6 Millionen Dollar geradezu reich sind, müssen die Damen mit nur 156.000 Dollar auskommen. Diese Lücke hat allerdings auch nicht wirklich den Sexismus als Hintergrund, viel mehr ist es eine Kombination aus Einschaltquoten und Zuschauern, welche diese Gehälterkluft erschaffen. Während die Herren auf den größten Bühnen der Welt gegeneinander antreten, sind Frauen meist nur in kleineren Turnieren anzutreffen, welche offensichtlich weniger Preisgeld zur Verfügung stellen. Auch die Verträge für kleinere Pro-Teams sind wesentlich schwächer als jene, welche die weltbesten Spieler betreffen.

Nun kommen wir zum dritten Faktor, welchen ich persönlich besonders kritisch sehe. Zum einen, weil er wirklich etwas mit Sexismus zu tun hat, zum anderen, weil er nicht zwingend darauf zurückzuführen ist. Es geht um Beleidigungen im eSport. Toxisches Verhalten, abartige Beleidigungen und vor Wut herausgebrüllte Drohungen, all diese Dinge sind im Alltag eines Gamers zu finden. Die Frage nach dem Sexismus richtet sich meiner Meinung nach nur nach Art und Inhalt der Beleidigung. So gibt es Sprüche, welche den Gegenüber persönlich ansprechen, durchaus auch auf sein Geschlecht, es gibt aber auch genügend, welche sich auf den Gegenüber beziehen, ohne sein Geschlecht anzugreifen. Die Beispiele möchte ich hier nicht unbedingt nennen.

Die Frage ist nun, wird eine Frau sexistisch beleidigt, oder wird sie wie jeder andere Gamer einfach nur so beleidigt? In diesem Punkt gelten wohl beide Antworten, am Ende bleibt es aber dabei, dass nicht nur Frauen sexistisch beleidigt werden. In Bezug auf die weiter oben erwähnte Menge an weiblichen Spielern, ist es sogar durchaus denkbar, dass wesentlich mehr männliche Spiele auf diese Art und Weise beleidigt werden. Das liegt schlicht und ergreifend an der Masse der männlichen Spieler.

Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich noch einmal auf den ersten Punkt eingehen. Dabei geht es um den anderen Grund, aus welchem Frauen nicht an den ganz großen Turnieren teilnehmen. Hier gibt es ein klassisches Problem, welches heutzutage aber einfach ignoriert wird. Schließlich lässt sich das Ganze ja wesentlich einfacher mit Sexismus erklären, als mit der Wahrheit. Für die größten Turniere gibt es sogenannte Qualifier, bei welchen die Teams um die Teilnahme am Turnier kämpfen. Die meisten Teams schaffen es nicht, diesen Qualifier zu gewinnen. Und genau so ergeht es auch den weiblichen Spielerinnen. Schaffen sie es nicht in das Turnier, liegt das nicht am Sexismus, sondern an ihren eigenen Fähigkeiten. Der große Vorteil des eSport liegt jedoch darin, dass diese Fähigkeiten nichts mit dem Geschlecht zu tun haben, sondern lediglich mit der eigenen Arbeit und der Motivation, welche man im Training aufbringt. Das Geschlecht spielt körperlich im Gegensatz zum normalen Sport nämlich keine Rolle.

Zu guter Letzt gibt es aber ein Problem, für welches die Frauen persönlich nichts können. Dabei handelt es sich um gemischte Teams. Für Frauen ist es offenbar schwerer, einen Spot in einem Pro-Team zu bekommen, als für männliche Spieler. Der Grund hierfür liegt im menschlichen Denken. Die ersten Jahre des eSport waren ausschließlich durch männliche Teilnehmer gepägt. Wir Menschen mögen Sachen, die sich bewähren. Wir haben schon oft genug bewiesen, dass wir mit Veränderung eher schlecht umgehen. Das beste Beispiel hierfür ist wohl die Entwicklung von Windows. So möchten die Nutzer stets etwas neues, beschweren sich dann aber, dass Microsoft so große Veränderungen vorgenommen hat. Und genau so ergeht es auch unseren weiblichen Spielern. Ich kann ihnen im Kampf gegen diese Angst vor Veränderung aber nur Mut zusprechen. Seid hartnäckig und gebt euer Bestes! Auf diese Art und Weise haben sich Sportler schon immer weiterentwickelt.

Gibt es denn aber keine Lösungen für diese Probleme? Nun ja, die gibt es schon. Es könnte aber noch ein paar Jahre dauern, diese umzusetzen. Angefangen bei den Fähigkeiten der Spielerinnen, über die Vermischung der Geschlechter in proffessionellen Teams, bis hin zur Toleranz und Akzeptanz des anderen Geschlechts. Diese drei Schritte sind meiner Meinung nach, der einzige Weg, um den eSport wirklich geschlechtsneutral zu gestalten. Während der erste Schritt auf den Schultern der weiblichen Spieler lastet, betrifft der zweite die professionellen Teams und ihr Management. Der dritte Schritt hingegen hat etwas mit Moral unter Gamern zu tun und betrifft somit quasi jeden Spieler. Die Geschichte zeigt aber, dass dieser Weg möglich ist. In der Vergangenheit hatten Frauen im Sport ebenfalls mit Diskriminierung und Sexismus zu kämpfen. Heutzutage hat sich das jedoch gelegt und es gibt für beide Parteien ausreichend Möglichkeiten, an die Spitze zu kommen.

Wie stehst du zu dem Thema? Hast du weibliche Gamer in deinem Umfeld oder betrifft es dich evtl. sogar selbst? Schreib es uns in die Kommentare!

Quellen: readmore BBC Dexerto

    23. Nov 2016, 16:06
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    Leander Schuhr
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    xXGrandpaXx
    1521 Tage
    "Männer eSport" begeistert mehr Menschen... ergo fließt da mehr Geld. Fertig.