Speedruns - Die Formel 1 der Gaming-Szene

Speedruns haben eine lange Tradition, die bis in die Neunziger Jahre zurückreicht. In diesem Artikel befassen wir uns einmal mit diesem faszinierenden, aber nicht ganz unumstrittenen Thema und zeigen, wie viel soziales Engagement dahintersteckt.

Speedrunner bilden eine eigene kleine Subkultur innerhalb der Gaming-Szene. Sie grenzen sich zwar nicht von anderen Spielern ab, sehen die Games aber bisweilen mit ganz anderen Augen als der Rest von uns. Dabei unterscheiden sich Speedruns eigentlich gar nicht so sehr vom normalen Spielen, dem sogenannten Casual Gaming. Sie bilden vielmehr eine eigene Liga mit einem eigenen Ranglistensystem und entsprechen damit einer speziellen Form des eSports.

Angefangen haben Speedruns bereits Ende der Neunziger Jahre, als Spieler versucht haben, Quake und Co. so schnell wie möglich zu beenden und sich mit ihren Bestzeiten untereinander zu messen. Dank der raschen Verbreitung des Internets in privaten Haushalten konnten sich die Speedrunner schnell untereinander messen und sich gegenseitig überbieten. An diesen Grundprinzipien hat sich bis heute nichts geändert, allerdings wurde das Ganze mit den Jahren deutlich professioneller.

Heute befassen sich ganze Webseiten wie das Speeddemosarchive oder Speedrun.com damit, der Community eine Plattform zu bieten und die Rekorde übersichtlich zu archivieren. Dabei gibt es, je nach Spiel, verschiedene Kategorien. Das Any% beispielsweise verlangt das schnelle Durchspielen mit allen Mitteln, während Glitchless das Ausnutzen von Fehlern im Spiel verbietet. 100% ist, wie der Name vermuten lässt, eine Kategorie, in der das Spiel zu 100% abgeschlossen werden muss, also beispielsweise alle Power Ups in Super Metroid. 120 Sterne in Super Mario 64 oder alle Beutestücke in Dishonored. Die genauen Regeln für jede Kategorie wird von der Community des jeweiligen Spieles bestimmt, so dass es große Unterschiede bezüglich der gleichen Kategorie zwischen zwei Spielen geben kann.

Für einen Außenstehenden mag diese Art des Spielens auf den ersten Blick nicht nur etwas befremdlich wirken, sondern sogar einen Affront gegen das Spiel selbst darstellen. Denn sind wir mal ehrlich: Manch ein Speedrun scheint durch das exzessive Nutzen von Bugs und Glitches wenig mit dem eigentlichen Spiel zu tun zu haben. Tatsächlich fangen die meisten Speedrunner jedoch aufgrund ihrer Passion für ein bestimmtes Game an, sich selbst neue Herausforderungen zu stellen und "ihr" Spiel mal auf eine ganz andere Art und Weise kennenzulernen.

In gewisser Weise gehen wir alle einmal diesen Schritt: Der zweite Durchlauf durch ein Spiel ist üblicherweise deutlich schneller als der erste. Dies liegt einfach daran, dass wir besser werden, uns die Feinheiten der Spielmechaniken vertrauter sind und wir die Level besser kennen. Speedrunner gehen lediglich einen Schritt weiter und versuchen, das Ergebnis zu perfektionieren, indem sie genau planen, welcher Weg der kürzeste ist und wo man noch etwas Zeit sparen kann. Die Jagd nach PBs (personal best; persönliche Bestzeit) oder gar dem WR (world record; Weltrekord) ist dabei natürlich ein großer Ansporn. Und auch wenn einige Zeiten anfangs unmöglich erscheinen, so wird man doch mit jedem Versuch besser und kann sich immer neue Ziele setzen.

Dass sich Speedruns nicht nur um kompetitives Spielen drehen, sondern sich diese Gemeinschaft auch soziales Engagement auf die Fahnen geschrieben hat, zeigen viele verschiedene, über das Jahr verteilte Events. Die beiden Vorreiter sind hier das Awesome Games Done Quick (AGDQ) und das Summer Games Done Quick (SGDQ). Weitere nennenswerte Events sind die European Speedrunner Assembly (ESA), das auf Rollenspiele spezialisierte RPG Limit Break mit seinen überdurchschnittlich langen Speedruns und in diesem Jahr erstmalig die North American Speedrunner Assembly (NASA). Mit Ausnahme der NASA sammeln all diese Events Spendengelder, die wohltätigen Zwecken wie Ärzte ohne Grenzen oder der National Alliance on Mental Illness (NAMI) zugute kommen Dabei werden zum Teil Geldsummen in Millionenhöhe eingenommen.

Um solche Events auch auf nationaler Ebene präsentieren zu können und Speedruns allgemein bekannter zu machen, haben sich bereits einige Restream-Gruppierungen gebildet. Hierzulande wird diese Aufgabe der aus einer deutsch-französischen Freundschaft entstandenen Vereinigung Germench zuteil, die das Geschehen in deutscher Sprache kommentiert beziehungsweise erklärt und damit eine Anlaufstelle für alle Speedrun-Enthusiasten (und natürlich Einsteiger) aus Deutschland bildet.

Wie stehst du zu Speedruns? Was hältst du von der Idee, damit karitative Zwecke zu erfüllen? Schreib es uns in die Kommentare!

    3. Jul 2016, 17:54
    1937
    Ricardo Beigang
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