Ubisoft`s Steep Review - Der Berg ruft [PC]

Ein Spiel bei dem wir nur Bestzeiten nachjagen und Punkte sammeln um Rekorde aufzustellen - Genau das ist Steep. Kann so etwas Spaß machen und auf lange Zeit motivieren? Das kann es! Zumindest teilweise...

Lass mich dir eine typische Game-Session in Steep erklären:

Wir starten das Spiel und kommen nach einer kurzen Info der Entwickler auch gleich zur Sache. Unser zuvor ausgewählter Charakter steht auf einem Berggipfel, genießt die schöne Aussicht und wartet darauf, dass wir ihm das Kommando zum Losfahren geben. Also tun wir ihm den Gefallen und shredden einfach mal drauf los in Richtung Tal, machen unterwegs ein paar Sprünge, vollführen waghalsige Tricks und zeigen dem virtuellen Schnee wer hier der coolste Typ auf dem zugefrorenen Berg ist. Nach der ersten Abfahrt öffnen wir die Weltkarte und suchen uns eine neue Challenge aus, die wir noch nicht ausprobiert haben. Was? Ein schwerer Snowboard-Track bei dem noch keine Goldmedaille geholt wurde? Immer hin da! Mit einem Klick beamen wir uns aus dem beschaulichen Ort in dem wir gerade gehalten haben auf den Gipfel des Matterhorns und starten die neue Aufgabe. Nach gefühlt 35 Versuchen diese miese Strecke halbwegs unbeschadet herunterzukommen haben wir Gold in der Tasche und freuen uns über den Erfolg.

So geht das weiter und weiter und weiter. Immer wieder finden wir uns in der Spirale zwischen entspanntem umher cruisen und adrenalinhaltiger Action. Steep spornt uns jedes Mal aufs Neue an, noch eine Line zu fahren, den nächsten Abgrund mit einem monströsen Stunt zu überbrücken, den letzten Lauf mit einer besseren Zeit zu beenden.

Ubisofts Schnee-Abenteuer bringt die kalten, verschneiten Berggipfel ins warme Wohnzimmer der Spieler und versucht dabei Alpen-Atmosphäre zu versprühen. Das klappt auch ganz gut, denn die Grafik des Winter Wonderland ist zum dahin schmelzen. Der weiße Puder unter unseren Skiern verformt sich, je nachdem wie wir über ihn drüber oder durch ihn hindurch pflügen, der Sonnenauf- bzw. Untergang ist für Screenshots geradezu perfekt und die Animationen der verschiedenen Charaktere lassen keine Zweifel daran, dass da ein echter Mensch unter den dicken Klamotten steckt. Auch wenn die Mühle im Hintergrund viel zu tun hat, konnten wir bei unserem Test einen Durchschnitt von 62 FPS verbuchen - starke Framedrops hatten wir nie und einen Totalabsturz mussten wir lediglich einmal hinnehmen. Datenverlust blieb uns dabei erspart. Die weißen Hänge wechseln sich mit Eisfeldern, zugefrorenen Seen und spitzen Felsspalten ab, was gerade zu Beginn des Spiels jede Menge unterschiedliche Szenarien mit sich bringt und die Adaption des Sportlers an seine Umwelt verlangt. Doch was genau steckt hinter dem kalten Mantel von Steep?

In Steep stehen uns die gesamten Alpen zur freien Verfügung und wir dürfen uns von fast jedem Punkt in die Tiefe stürzen oder zu neuen Höhen aufschwingen. Ob mit Snowboard, Ski oder Wingsuit bewaffnet geht es meistens Bergab. Die Ausnahme in der Regel bildet die vierte verfügbare Sportart: Der Paraglider (oder auch Gleitschirm) bringt dich dank starker Aufwinde am Hang auch ganz schnell weit nach oben. Durch das geschickte Ausnutzen der entsprechenden Thermik ist es uns beispielsweise gelungen den höchsten Berg des Spiels, den kolossalen Mont Blanc, bereits relativ früh zu "besteigen". Die Drop-Zone dort oben ist nämlich eigentlich erst ab Level 23 freigeschaltet.

Mit diesen vier Gerätschaften können wir nun die ganzen Aufgaben bestreiten, die auf der kompletten Map für uns verteilt wurden. Diese reichen von klassischen Zeit- und Checkpoint-Rennen, über Trick-Punkt-Challenges bis hin zu abgefahrenen Knochenbrecher-Quests, bei denen wir beispielsweise möglichst viel Schaden durch nur einen Sturz erleiden müssen. Diese Missionen stehen für jede der Sportarten zur Verfügung, wobei wir die Gleitschirm-"Rennen" recht schnell links liegen gelassen haben. Zum Erklimmen von Gipfeln ist das Gerät zwar durchaus geeignet, aber die gestellten Aufgaben waren teilweise zu leicht oder schlichtweg langweilig. Ich habe einfach keine Lust 5:30 Minuten langsam und gemächlich umher zu gondeln, wenn ich in der gleichen Zeit doppel- und dreifach so viel Spaß mit dem Wingsuit oder auf den Brettern haben kann.

steep Für den Aufstieg TOP, beim Rennen ein FLOP. Der Paraglider ist ein zweischneidiges Schwert.

Jedoch sind nicht alle Herausforderungen gleich von Beginn an spielbar. Diese müssen erst durch das Auskundschaften der Landschaft entdeckt werden. Die bereits angesprochenen Drop-Zones sind Punkte, zu denen wir die kostenlose Schnellreise-Funktion benutzen dürfen. Wenn wir wo anders starten wollen, müssen wir einen Helikopter bemühen, der uns an beliebiger Stelle absetzt. Das kostet uns aber ein Ticket, welche wir im Shop erwerben müssen. Während unserer kompletten Spielzeit haben wir dieses Feature allerdings nur einmal eingesetzt. Es war schlicht und ergreifend nicht nötig. Drop-Zones werden grau schraffiert dargestellt und können mit unserem Fernglas freigeschaltet werden. Haben wir uns bis auf 1000 Meter der unbekannten Abfahrt genähert packen wir den Feldstecher aus und nehmen sie ins Visier. Eine Meldung auf dem Bildschirm und der Kommentar unseres Charakters zeigt uns, dass wir hier wohl einen ganz besonderen Fleck ausgemacht haben, den wir von nun an für unsere Trickkiste verwenden können.

steep Mit dem Fernglas schalten wir neue Drop-Zones frei.

Durch das Ausspähen von neuen Spots, das Abschließen von Aufgaben und die kunstvolle Darbietung verschiedenster Tricks erhalten wir Erfahrungspunkte, die uns weitere Möglichkeiten eröffnen. Heißluftballons zum Beispiel gelten ebenfalls als Drop-Zones, dürfen aber nicht einfach so mit dem Fernglas angesteuert werden. Je höher wir im Level steigen desto mehr Sponsoren erlauben uns, ihren Ballon als Absprungplatz zu nutzen. Hier warten dann immer besondere Wingsuit-Aufgaben auf die Extremsportler und wir werden mit einer phänomenalen Aussicht belohnt.

steep_ballon1

Neben Erfahrungspunkten die wir für neues Equipment ausgeben können gibt's auch Goodies für abgeschlossene Aufträge. Mal ein frisches Paar Skier, ein anderer Skin fürs Snowboard, Mützen, Helme, Jacken, Rucksäcke, Wingsuits und Fallschirme. Außer einem anderen Design haben die neuen Ausrüstungsgegenstände aber keinen Mehrwert - sehr schade. Und eine verpasste Chance: Wir hätten uns bessere Boards gewünscht die uns einen Boost an Geschwindigkeit geben, oder Skier mit denen wir seltener stürzen, oder Gleitschirme mit besserem Auftrieb. All das wäre möglich gewesen, wurde aber leider nicht integriert. Die ganzen farbenfrohen Hosen, Handschuhe, Brillen und Aufnäher bleiben also ein trister Farbklecks in der weißen Landschaft und werden vom Spieler selbst beim Zocken fast nie beachtet.

Apropos Varietät: Im Menü kann man sich einen von 8 Fahrern aussuchen und entweder mit einem Herren oder einer Dame die Pisten erkunden. Jedoch gilt auch hier das Gleiche wie bei den unterschiedlichen Skins: Die Personen sehen zwar anders aus und haben verschiedene Stimmen, den Spielstil ändert das aber nicht. Nate kann genauso gut über Rampen fahren, springen und Stunts vollführen wie Ami. Etwas Abwechslung, ein höherer Schwierigkeitsgrad oder Spezialisierungen der Sportler wären äußerst wünschenswert.

steep_charaktererstellung Neben verschiedenen Schneestiefeln, Patches und Kostümen dürfen wir auch Geräte wie eine Leuchtfackel oder einen Eispickel mitnehmen.

Die ganzen Tricks, das Fliegen und die Abfahrten an sich werden durch die direkte Steuerung begünstigt. Auch wenn die Tastatur ihre Arbeit weitestgehend problemlos schafft, empfehlen wir doch den Griff zum Gamepad. Mit dem Controller in der Hand sind die Bewegungsabläufe einfach viel geschmeidiger, man kommt eher in den Genuss von weichen Routen-Übergängen und es fühlt sich im Allgemeinen passender an (wer schon einmal Tony Hawk's Pro Skater auf dem Rechner gezockt hat weiß, was ich meine). Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase und den Tutorial-Videos, die sich gut in das Spielgeschehen einbetten, haben wir die grundlegenden Steuermechaniken verstanden und verinnerlicht. Bereits nach kurzer Zeit sind auch schwerere Abfahrten, der Wechsel zur "Mountain View" oder einer anderen Sportart und der Weg zurück ins Spielgeschehen kein Problem mehr. Da man aber die wenigsten der anspruchsvollen Strecken beim ersten Mal mit Gold absolviert, ist ständiges Wiederholen angesagt. Das geht ganz schnell und einfach per Knopfdruck und spornt aufgrund der einfachen Regelung an, weiter zu machen und die besten Zeiten zu erzielen.

Hier gibt es ebenfalls zwei Punkte, die Ubisoft nochmal überarbeiten sollte. Zum einen macht sich die Kamera gerne mal selbstständig. Vor allem, wenn man mit seinem Fahrer an eine Stelle kommt die weder abschüssig noch ansteigend (also eben) ist. Dann weiß die virtuelle Linse nämlich nicht mehr ob wir uns nach vorne oder hinten, rechts oder links, oben oder unten bewegen und zuckt wild umher. Gleiches passierte uns des öfteren beim Gleitschirmfliegen (noch ein Grund das Ding in der Ecke liegen zu lassen). Der zweite Haken ist in dem Fall, dass auch der von uns gesteuerte Charakter scheinbar unter Orientierungsproblemen leidet und sich partout nicht in die Richtung bewegen will, die wir ihm mit dem Steuerknüppel vorgeben.
Kleiner Tipp von uns: Sollte dir das ebenfalls passieren, wechsle einfach in die Ego-Perspektive. Wenn du hier "nach vorne" drückst, bewegt sich dein Snowboarder auch in eben jene Richtung. Oder du gehst zu Fuß bis zum nächsten geeigneten Punkt, sofern das die aktuelle Challenge zulässt.

steep Die Übersichtskarte, auch "Mountain View" genannt, breitet ein 3D Model der Alpen vor uns aus.

Ganz unterhaltsam sind übrigens auch die sogenannten Berggeschichten, welche wir beim Erklimmen der höchsten Gipfel und neuen Drop-Zones freischalten. Hier Folgen wir beispielsweise einem NPC den steilen Abhang hinab und bekommen auf dem Weg von ihm allerlei Interessantes über den Felsbrocken erzählt, den wir da gerade herunter rasen. Oder wir müssen fiese Schneemänner zerdeppern und einen singenden Tannenbaum finden, der stark an das Riesengewächs aus National Lampoon’s "Schöne Bescherung" mit Chevy Chase erinnert. Diese Eastereggs und Schmankerl am Wegesrand geben der Spielwelt das gewisse Etwas und animieren uns dazu, auch den letzten Winkel der Map nach interessanten Orten zu durchforsten.

Bei den einen Berggeschichten müssen wir für Recht und Ordnung sorgen... Bei manchen Berggeschichten müssen wir für Recht und Ordnung sorgen...
... bei anderen suchen wir singende Tannenbäume! ... bei anderen suchen wir singende Tannenbäume!

All das ist Anfangs wirklich unterhaltsam, wird aber nach einiger Zeit doch recht eintönig. Nach 15 Spielstunden haben wir alle Drop-Zones freigeschaltet, die meisten Challenges mit Gold abgeschlossen, das Level-Cap von 25 erreicht und jeden Bergkamm mindestens zwei Mal überfahren. Langzeitmotivation sieht anders aus. Einzig der soziale Faktor bietet einen Lichtblick für zukünftige Ausflüge in die virtuellen Alpen. Wir können uns mit anderen Spielern, die ebenfalls in den verschneiten Bergen unterwegs sind, zusammentun und gemeinsam etwas erleben. Hast du zum Beispiel gerade eine Mörder-Line gefahren, die es wert ist von anderen gesehen zu werden, wechselst du fix in die Weltansicht, markierst die Stelle an der du gestartet bist und wählst eine Quest-Option wie Punkte-, Zeit- oder Checkpointrennen aus. Damit ist diese Route gesetzt und andere können versuchen deine Bestzeit zu schlagen. Das macht mit Freunden und Bekannten umso mehr Spaß.

Nichts desto weniger bleiben all diese Aufgaben irgendwie gleich und das Ganze wirkt ausgelutscht. Spätestens beim 10. Dorf bemerkt man auch, dass es in der kompletten Spielwelt weder Tiere noch andere NPC's zu geben scheint, die ihrem Tagwerk nachgehen. Das lässt das Alpen-Panorama doch arg zusammen schrumpfen und beraubt uns der Illusion einer lebendigen Welt.

Fazit:

Steep ist eine gute Sportsimulation. Nicht mehr und nicht weniger. Ich hatte viele schöne Stunden mit dem neuesten Titel von Ubisoft Annecy, tolle Erlebnisse, Aha-Effekte und stand mehr als einmal auf dem Gipfel des Matterhorns, um die wundervolle Aussicht zu genießen. Allerdings sollte man für den Vollpreis von 54,99€ (PC-Version) etwas mehr erwarten dürfen. Vielleicht runden ja die angekündigten DLC das Aroma ab.

Wir vergeben 6,5 von 10 möglichen Schneeflocken!

Steep_Bewertung

Minimale Systemvoraussetzungen:

Betriebssystem: ​Windows 7 SP1, Windows 8.1 oder Windows 10(64bit)
Prozessor: Intel Core i5 2400s mit 2.5 Ghz oderr AMD FX-4100 mit 3.6 Ghz
RAM: 6GB
Grafikkarte: GeForce GTX560Ti oder AMD Radeon R7 260X
DirectX: DX 10
HDD: 25 GB

Empfohlene Systemvoraussetzungen:

Betriebssystem: ​Windows 7 SP1, Windows 8.1 oderr Windows 10(64bit)
Prozessor: Intel Core i7 2600K mit 3.4 Ghz oderr AMD FX-8150 mit 3.6 Ghz
RAM: 8GB
Grafikkarte: GeForce GTX680 oder Radeon HD 7970
DirectX: DX 10
HDD: 25 GB

Unser System:

Betriebssystem: ​Windows 10 (64bit)
Prozessor: Intel Core i5-3570 mit 3,40GHz
RAM: 16GB
GrafikkarteAMD Radeon R9 200

 

27. Dez 2016, 08:49
5685
Tobias Heinen
Deine Reaktion

0

0

0

0

0

0

1